Eine E-Mail, ein Künstler und der jüdische Friedhof in Nemšová

Ab und zu erreicht mich eine E-Mail, weil mich jemand im Internet oder über die Berichterstattung gefunden hat. So war es auch in diesem Fall. Ruben und Janka aus Berlin wollen mich treffen, denn sie sind zu Besuch in der Nähe von Trenčín, Jankas Heimat, und haben ein kleines Projekt, das mich auf Anhieb interessiert. Wir verabreden uns kurzerhand und sie holen mich ab, um mir Nemšová – einen kleinen Ort nördlich von Trenčín – zu zeigen. Ganz unerwartet treffe ich dabei auch auf den Künstler Stanislav (Stano) Lubina. In seinem Garten breitet er einige Kunstwerke für uns aus und erinnert sich an den alten jüdischen Friedhof.

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(I) Über Brücken …

Die Brücke mit dem gelben Geländer

Nicht nur in Trenčín werden Brücken heiß diskutiert. Das Thema sorgt in der gesamten Slowakei für bange Blicke, Sorgenfalten und Beschwerden. Als Deutsche kennt und teilt man die Sorgen um den Zustand der Brücken im Land. Zudem gibt es in Trenčín nur wenige. Die neue Eisenbahnbrücke (von 2017), die alte (zur Zeit) gesperrte Eisenbahnbrücke (von 1984) und die ikonische Brücke mit dem gelben Geländer (von 1956, 2018 zuletzt notdürftig geflickt). Ansonsten erst ein paar Kilometer weiter in einem südlichen Randstadtteil die neue Verkehrsbrücke, die 2015 eröffnet wurde, und die Brücke in Bierovce südlich von Trenčín, auf deren Fertigstellung hier alle sehnsüchtig gewartet haben. Im Juli war es endlich so weit. Eine weitere neue Brücke Richtung Norden ist in Planung. In diesem Beitrag geht es zunächst um die Brücke mit dem gelben Geländer, die auch in dem von mir übersetzten Roman eine prominente Rolle spielt.

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Beatrix: Unterwegs am (ehemaligen) Eisernen Vorhang

An einem sonnigen Tag bin ich mit Beatrix Flatt verabredet. Wir kennen uns nicht, aber die Begegnung ist auch nicht zufällig. Beatrix hatte mich über meinen Blog entdeckt und angeschrieben. Auch sie führt einen Blog über ihr Projekt, das mich sehr interessiert. Die Journalistin und Reisebloggerin aus Helmstedt in Niedersachsen direkt an der ehemaligen innerdeutschen Grenze war Ende Mai im bulgarischen Burgas auf eine besondere Fahrradtour aufgebrochen. Zwei Monate lang fuhr sie ganz allein am ehemaligen Eisernen Vorhang entlang und machte dabei u. a. in Bratislava Station. Da lag es nahe, auch Trenčín zu besuchen, obwohl es von der Route etwas entfernt liegt.

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Interviewen oder interviewt werden? Das ist hier die Frage!

Das Zitat stammt vom US-amerikanischen Künstler Andy Warhol, dessen rusinische Eltern, die Varholas, übrigens aus der Nähe des ostslowakischen Ortes Medzilaborce, wo es ein Warhol-Museum gibt, nach Amerika ausgewandert sind.

Nicht nur im Juni hatte ich mehrfach Gelegenheit mit Journalistinnen und Journalisten zu sprechen. Das Thema Kulturhauptstadt ist attraktiv und immer wieder kommen Medienschaffende aus verschiedenen europäischen Ländern in die Stadt, um über das Programm oder einzelne Aspekte zu berichten. Die Akteurinnen und Akteure vor Ort werden häufig für Termine angefragt und es stehen Gästebetreuende zur Verfügung, sowohl von Trenčín 2026 als auch von der Region Považie, zu der Trenčín gehört. Sie machen Programmvorschläge und vermitteln Kontakte sowie Dolmetschende. Von Seiten deutscher Medien besteht natürlich auch Interesse an meiner Arbeit und so wurde ich interviewt und begleitet oder durfte selber begleiten. Inzwischen sind einige schöne Artikel und für mich persönlich auch interessante Kontakte entstanden.

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Auf Spurensuche im Umland: Von Schuhen, Karpatendeutschen und Lebkuchenhäusern

Wir sitzen im Restaurant auf einer Bank, die sehr nah am Tisch steht. Aus dem Aquarium glotzt uns ein Karpfen an. Was er uns wohl sagen will? Das Lokal erinnert ein wenig an eine Höhle, feuchte Luft, Aromen von Moder, Bier und Bratfett. Wir bestellen panierten Käse und Kofola. Ich bin mit Lukáš Cabala und einem deutschen Journalisten im Plzenská verabredet. Das Restaurant „aus alten Zeiten“ ist auch ein Schauplatz in Denkst du noch an Trenčín? Wir sprechen über das Buch, über die Stadt und die Pläne für die kommenden Tage.

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Einmal Filmstar sein …

Besuch aus Babelsberg

Was für eine bunte, intensive und spannende Woche! Von 15. bis 18. Juni waren fünf Jugendliche und Lehrerin meine Gäste in Trentschin/Trenčín. Die kleine Crew hatte die Aufgabe, mich zu interessanten Orten zu begleiten und Material für einen Dokumentarfilm über meine Arbeit, das Stadtschreiberinnen-Dasein und die Kulturhauptstadt zu drehen. Bis Anfang kommenden Jahres soll daraus ein interessanter Rückblick entstehen, der bei verschiedenen Veranstaltungen gezeigt werden und dann auch im Internet zur Verfügung stehen soll. So einen Dreh habe ich noch nie mitgemacht, wusste also nicht, worauf genau ich mich einlasse. Die Erfahrung war für uns alle sehr bereichernd. Ein tolles Team, bestes Wetter, inspirierende Begegnungen und eine Schulung unserer Flexibilität und Problemlösungsfähigkeiten.

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Ein Buch als Wegweiser I: Unterwegs mit Lukáš Cabala

Mit „meinem Autor“ Lukáš Cabala unterwegs zu sein und über „unser Buch“ Denkst du noch an Trenčín?/Spomenieš si na Trenčín? zu sprechen, haben wir im März schon in Leipzig, Berlin und Chemnitz ausprobiert. Die Veranstaltungen rund um die Leipziger Buchmesse 2026 waren zahlreich und spannend. Im Mai waren wir in die Deutsche Nationalbibliothek nach Frankfurt am Main und nach Wien eingeladen. Das Publikum war uns immer wohl gesonnen. Das Label Kulturhauptstadt weckt Interesse. Ich habe die Veranstaltungen entweder moderiert, gedolmetscht oder gelegentlich auch beides. Dabei habe ich Lukáš viele Fragen gestellt und Überraschendes, Neues, und Spannendes erfahren. Sein besonderer Humor war schon beim Übersetzen manchmal eine Herausforderung.

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Das war mein Mai #2

Literarisches in Trenčín, Frankfurt, Wien und Bratislava

Der tschechische Dichter Karel Hynek Mácha schrieb 1836 das romantische Epos Máj (Mai), das bis heute wohl jedes Kind in Tschechien und früher auch in der Slowakei in der Schule gelernt hat. Es beginnt mit Byl pozdní večer – první máj – večerní máj – byl lásky čas (etwa: Spätabend war’s – der erste Mai – der Abendmai – war der Liebe Zeit). Es ist ein Liebesgedicht, das die Schönheit der Natur feiert. Máchas Zeitgenossen war es zu modern. Beim Studium an der Universität Leipzig kamen auch wir Westslawisten nicht an diesem wichtigen Werk vorbei und bis heute klingen die Worte in mir nach. So ist für mich der Mai auch immer ein Monat der Literatur. Und mein Mai 2026 war wirklich sehr literarisch …

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Das war mein Mai #1

Es ist bewölkt, ich sitze am Schreibtisch, draußen rauscht der Verkehr und zwitschern die Amseln. 2. Juni – wo ist nur die Zeit geblieben?! Der Mai verging wie im Flug, meine Aktivitäten waren so wechselhaft wie das Wetter. Zwischen Kennenlerntreffen, Veranstaltungen, Übersetzungsarbeit, Lese- und anderen Reisen, Einkaufen und Gartenarbeit war es gar nicht so leicht, Ruhe zu finden, um die Gedanken und Eindrücke festzuhalten. Weil all das kaum in einem Beitrag unterzubringen ist, wird es eher eine Art Foto-Story.

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Ein herzliches Willkommen in Trenčín

Die Stadt Trenčín hat uns mit Sonnenschein und blauem Himmel empfangen. Der Weg aus dem mährischen Brünn/Brno dauert mit dem Bus normalerweise nur zwei Stunden. Weil der 1. Mai auch in der Slowakei und in Tschechien ein Feiertag ist, waren am 30. April sehr viele Menschen unterwegs, um für das verlängerte Wochenende nachhause zu fahren oder einen Ausflug zu unternehmen. Unser Bus hatte dadurch fast eine Stunde Verspätung. Davon ließen sich unsere Gastgeber jedoch nicht die Laune vermiesen und haben uns sehr herzlich empfangen, vom Busbahnhof abgeholt und uns unser Zuhause auf Zeit gezeigt. Was man in der ersten Nacht in einem neuen Bett träumt, soll ja bekanntlich in Erfüllung gehen. Ich habe aber trotz Vollmond, weil es so ruhig und gemütlich war, so fest geschlafen, dass ich mich am Morgen an nichts erinnern kann. Doch auch der Tag danach kam mir vor wie ein Traum …

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